Aktuelle Entwicklungszusammenarbeit mit Jemen

Die aktuellen Schwerpunktsektoren der deutschen EZ im Jemen sind Wasser und Bildung. Darüberhinaus werden auch Programme in den Sektoren nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Gesundheit, Ernährungssicherung, Biodiversität und gute Regierungsführung umgesetzt.

Zivilgesellschaftliche Organisationen, die in diesen Sektoren aktiv sind, können auch bei der Botschaft Projektanträge einreichen.

Wasser

   Die deutsche EZ unterstützt den Wassersektor im Jemen seit über 30 Jahren. Schwerpunkt ist die städtische Wasserversorgung. Wichtigstes Anliegen im Politikdialog mit der Regierung und der Gebergemeinschaft ist eine Trendumkehr bei der Übernutzung der Wasserressourcen. Zu diesem Zweck fördert die deutsche EZ das gesellschaftliche Bewusstsein, dass Wasser eine endliche Ressource ist, die schonend genutzt werden muss, auf allen Ebenen.

Bildung

 Das Bildungssystem des Jemen genügt bislang nicht den Anforderungen eines modernen Staates. Das Kernproblem ist seine Unzulänglichkeit in quantitativer und qualitativer Hinsicht. Weder kann die vorhandene Schulinfrastruktur alle Kinder im Schulalter aufnehmen noch reicht die Qualität der Bildung aus. Der Bildungssektor im Jemen steht dabei vor der großen Herausforderung, einer immer jünger werdenden Gesellschaft - nahezu 70% der Bevölkerung sind jünger als 25 - Zugang zu qualitativ guter Bildung zu ermöglichen. Auch das System der Berufsbildung ist nur rudimentär geeignet, den Bedarf der Privatwirtschaft nach qualifizierten Arbeitskräften zu bedienen. Die institutionellen Kapazitäten in der Regierung sind unzureichend, um dieser Herausforderung begegnen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Jemen das Millenniumsziel im Bereich Bildung erreicht, ist daher gering. Die deutsche EZ unterstützt den Bildungssektor im Jemen seit dem Jahr 1995.

Gute Regierungsführung

 Die deutsche EZ finanziert einen offenen Fonds, bei dem staatliche und nicht-staatliche Akteure Projektvorschläge zur Förderung einreichen können. Ziel ist, die Stärkung der Leistungs- und Kooperationsfähigkeit reformorientierter Regierungsakteure, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft. Thematisch fördert der offene Fonds Vorhaben aus den Bereichen gute Regierungsführung, Menschenrechte, Frauenrechte und Anti-Korruption. In der Vergangenheit wurden Projekte von einzelnen Abteilungen des Planungsministeriums, der Antikorruptionsbehörde SNACC, des Rechnungshofs (COCA), des Instituts für Verwaltungswissenschaften und von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen gefördert (u.a. Political Development Forum, Yemen Observatory for Human Rights, Youth Leadership Development Foundation).

Gesundheit

 Die Bevölkerung des Jemen wächst jährlich zwischen 2,8 und 3% und wird sich bei unveränderten Wachstumsrate etwa alle 25 Jahre verdoppeln. Ein Grund für das hohe Bevölkerungswachstum ist neben der immer noch hohen gesellschaftlichen Akzeptanz großer Familien der mangelnde Zugang der Bevölkerung zu und das Wissen über Verhütungsmittel. Die EZ im Gesundheitssektor hat deswegen insbesondere zwei Ziele: die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern und den Zugang zu Mitteln der Familienplanung und der Müttergesundheit zu erhöhen.

Privatsektorentwicklung und Zugang zu Mikrofinanzen

  Der Jemen ist mit einer wenig diversifizierten Wirtschaftsstruktur und unzureichenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert. Rund 70% der staatlichen Einnahmen und über 90% der Exporteinnahmen werden durch den Öl- und Gassektor erwirtschaftet. Der Privatsektor ist schwach entwickelt und erbringt nicht das für eine hinreichende Schaffung von Arbeitsplätzen notwendige Wachstum. Die Arbeitslosigkeit, insbesondere von Jugendlichen, ist hoch. Der unzureichende Zugang zu Finanzdienstleistungen ist ein entscheidendes Hindernis für die Diversifizierung der Wirtschaft, für nachhaltiges Wachstum und für das Schaffen von Arbeitsplätzen.

Ernährungssicherheit

   Landwirtschaft ist die Haupteinkommensquelle für einen Großteil der Bevölkerung. Die vorhandenen Potentiale werden aufgrund des geringen Ausbildungsstandes der Kleinbauern und fehlender Investitionen in die Landwirtschaft nicht ausgeschöpft. Daher ist der Selbstversorgungsgrad des Jemen sehr gering, nahezu 75% der Nahrungsmittel werden importiert. Die Nahrungsmittelversorgung wird weiter durch den Anbau von Kat, der ca. 10 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche und erhebliche Grundwasserressourcen beansprucht, beeinträchtigt. Ein Zukauf von Nahrungsmitteln ist bei den momentan hohen Nahrungsmittelpreisen für weite Teile der Bevölkerung unerschwinglich, was zu Hunger und Mangelernährung führt. Zudem verringert sich durch Kauf und Konsum von Kat das zum Nahrungszukauf verfügbare Familieneinkommen. Etwa 7,5 Millionen Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln. Diese Menschen leben mehrheitlich im ländlichen Raum. Die Unternährung von Kindern liegt bei 46%, eine der weltweit höchsten Raten.