Deutsch-jemenitische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Jemen sind traditionell gut und freundschaftlich. Jemen. Bereits Anfang der 1950er Jahre hatten die Bundesrepublik Deutschland und das damalige Mutawakkilitische Königreich Jemen (Nordjemen) diplomatische Beziehungen aufgenommen. Unmittelbar nach Beginn der Revolution 1962 hat die Bundesrepublik Deutschland die junge Arabische Republik Jemen (Nordjemen) anerkannt. Die Deutsche Demokratische Republik unterhielt enge Beziehungen zu dem seit 1967 von Großbritannien unabhängigen sozialistischen Südjemen. Eine Verbundenheit besteht außerdem aufgrund der gemeinsamen Erfahrungen der Vereinigung zweier Teilstaaten im Jahr 1990.

Seit 2011 setzt sich Deutschland - gemeinsam mit anderen internationalen Partnern - für den laufenden Transitionsprozess und einen demokratischen Neuanfang im Jemen ein. Im Mittelpunkt steht das Engagement des Golfkooperationsrats für einen friedlichen und geordneten Machtübergang. Das übergeordnete Ziel der Zusammenarbeit mit dem Jemen ist es, unter Umsetzung des Transitionsplans des Golfkooperationsrates gute Regierungsführung und die Einhaltung der Menschenrechte zu fördern.

Deutschland unterstützt mit einer Reihe von Projekten die Beratung und den Aufbau von Fähigkeiten im Bereich Regierungsführung, Verfassungsfragen und öffentliche Verwaltung. So hat Deutschland die Durchführung der Präsidentschaftswahlen im Februar 2012 finanziell unterstützt. Für die Beratung der jemenitischen Dialog-Strukturen hat Deutschland € 1,15 Mio. zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wurden 1,5 Mio. € in den VN-verwalteten Trust Fund zur Durchführung des Nationalen Dialogs eingezahlt. Deutschland engagiert sich auch beim Aufbau verfassungsrechtlicher Expertise für den Verfassungsprozess (Max-Planck-Institut, Friedrich-Ebert-Stiftung, GIZ). Auch im Bereich der ungelösten Eigentumsfragen im Süden Jemens ist Deutschland – vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen in der ehemaligen DDR – mit Experten beratend tätig. Sowohl die jemenitische Verfassungskommission, die von der Nationalen Dialogkonferenz beauftragt wurde, eine föderale Verfassung auszuarbeiten, als auch die vom Präsidenten eingesetzte Landkommission, die sich mit Eigentumsfragen beschäftigt, hielten sich im Jahr 2014 zu Studienreisen in Deutschland auf.

Im Rahmen der klassischen Entwicklungszusammenarbeit ist Deutschland im Jemen seit über 40 Jahren engagiert. Deutschland ist heute einer der größten bilateralen OECD-Geber. Vor der deutschen Wiedervereinigung 1990 unterstützten beide deutsche Staaten mit umfassender Entwicklungszusammenarbeit ihre jeweiligen jemenitischen Partner, vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Ausbildung. Seit Beginn der Zusammenarbeit wurde mehr als 1 Mrd. EUR für die Entwicklung des Jemen freigegeben. Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit seit der Wiedervereinigung sind Projekte zur Wasserver- und -entsorgung, zur Grund- und Berufsbildung, zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung, insbesondere durch verbesserten Zugang zu Finanzdienstleistungen (Mikrokredite) sowie zur Gesundheitsvorsorge. Bei den Regierungsverhandlungen im November 2013 wurden von deutscher Seite Neuzusagen in Höhe von € 103,6 Mio. für 2013/14 gemacht. Es handelt sich dabei um die höchste EZ-Zusage seit 2008.

Im Bereich der kulturellen Zusammenarbeit liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit in der Betreuung der vor Ort tätigen Akteure der deutschen Kulturarbeit, die derzeit, aufgrund der Sicherheitslage, nur in eingeschränktem Maße stattfinden kann.

Zahlreiche Jemeniten studieren an deutschen Hochschulen (z. T. mit Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes). Die Botschaft leistet Beratung für eine große Zahl an Studierenden zu Fördermöglichkeiten im Rahmen einer akademischen Ausbildung in Deutschland.

Das für den arabischen Raum zuständige Goethe-Institut in Kairo unterstützt das Deutsche Haus in Sanaa und Aden bei der Organisation von Deutschkursen und kulturellen Programmen; darüber hinaus fördert es den Deutschunterricht an ausgewählten Oberschulen im Rahmen des sog. "PASCH"-Programms (Partnerschulen für den Deutschunterricht).

Das Deutsche Archäologische Institut führt mit jemenitischen Partnern Ausgrabungsprojekte zur Erkundung der jahrtausendealten Geschichte des Landes durch. Darüber hinaus unterstützt Deutschland weiterhin die Erhaltung der historischen Städte des Jemen.